Prorektorat
Ausbildung
«Der Kluge ist der, welchen die scheinbare Stabilität nicht täuscht und der noch dazu die Richtung, welche der Wechsel zunächst nehmen wird, vorhersieht.»
– Arthur Schopenhauer
Während das Jahr 2023 bezüglich Studierendenzahlen im Zeichen des Wachstums stand und erstmals die 500er-Grenze überschritten wurde, stand das Berichtsjahr im Zeichen der Stabilität, gleichzeitig aber auch im Zeichen des Wandels, was die personelle Aufstellung im Prorektorat Ausbildung betrifft.
Dazu passt das obige Zitat des Philosophen Arthur Schopenhauer, welches die Bedeutung von Weitsicht und kritischem Denken hervorhebt, besonders in Situationen, die auf den ersten Blick stabil und unveränderlich erscheinen könnten, obwohl sie im Hintergrund bereits von Veränderung geprägt sind.
519 Studierende der Bachelor- und Sekmasterstudiengänge sind nach den Sommerferien ins neue Semester gestartet. 476 Studierende sind in den Bachelorstudiengängen immatrikuliert, darunter 145 Studienanfängerinnen und Studienanfänger. 116 von ihnen haben das Studium Primarschule (1.–6.) und 29 das Studium Kindergarten und Primarschule (1.–2.) aufgenommen. Die Sprachenverteilung bleibt im mehrjährigen Vergleich stabil, mit 107 deutschsprachigen, 13 romanischsprachigen und 25 italienischsprachigen neuen Studierenden. In den Masterstudiengängen haben 15 Studierende ihr Studium zur Lehrperson der Sekundarstufe I sowie zur Lehrperson Sekundarstufe I und Maturitätsschulen begonnen. Insgesamt sind im vor zwei Jahren eingeführten konsekutiven Masterstudiengang 43 Studentinnen und Studenten eingeschrieben.
Der Wandel im Prorektorat Ausbildung ist insbesondere durch personelle Bewegungen geprägt. Anfang August hat Carol Vladani seine Stelle als neuer Studiengangsleiter Primarstufe angetreten. Er tritt damit die Nachfolge von René Reinhardt an, den es zurück in die Lehre zieht. Dank René Reinhardts langer Erfahrung in dieser Funktion konnte auch die Übergangszeit zielführend organisiert werden. Carol Vladani wird mit der zweiten Studiengangsleiterin Primarstufe Dr. Franca Caspani sowie dem Studiengangsleiter Sekundarstufe Thomas Willi auch weiterhin für Stabilität besorgt sein, ohne die nötigen Entwicklungen zu vernachlässigen.
Eine bedeutende Veränderung gab es auch in der Berufspraktischen Ausbildung, wo Alessandra Savino am 1. November die Spartenleitung übernahm. Es ist ein grosses Glück für das Prorektorat Ausbildung, dass ihr Vorgänger Men Gustin sein Wissen und sein wertvolles Beziehungsnetz während einer Übergangszeit noch einbringen kann.
Für Stabilität durch Flexibilität sorgen in grossem Masse auch die weiteren Mitarbeitenden des Prorektoratsstabes inkl. Sekretariat sowie die vier Bereichsleitenden, die eine herausragende Arbeit leisten.
Das eigentliche Kernthema des Prorektorats Ausbildung sind die verschiedenen Studiengänge, die für die Studierenden eine optimale Ausbildung garantieren sollen. Erstmals begann in der zweiten Hälfte des Berichtsjahrs, nämlich ab Herbstsemester 24, der neue Studienplan über alle drei Studienjahre und Ausbildungsgänge zu laufen.
Zur Stabilität beitragen soll künftig auch die neue Hochschulverwaltungssoftware daylight, die im Berichtsjahr implementiert wurde. Diese Investition soll es künftig erlauben, sämtliche Prozesse bei der Organisation, Verwaltung und Vermarktung unserer Aus- und Weiterbildungsangebote einfach abzubilden und zu automatisieren. Dies alles im Bewusstsein, dass die eigentliche Weisheit darin liegt, nicht nur die Möglichkeit des Wandels zu erkennen, sondern auch die Richtung vorherzusehen, in die dieser Wandel gehen soll.
Der als Rektor gewählte bisherige Prorektor Ausbildung Dr. Reto Givel-Bernhard, trat seine neue Funktion am 1. November an. Als seine Stellvertretung leitet Dr. Franca Caspani das Prorektorat Ausbildung von November 2024 bis zum Januar 2025 ad interim. Am 1. Februar 2025 übernimmt Dr. Letizia A. Ineichen die Funktion der Prorektorin Ausbildung.
Bereich
Erziehungswissenschaften
Das Berichtsjahr stand ganz im Zeichen der Weiterentwicklung der Lehrpersonenbildung. Ein zentrales Ereignis waren die gemeinsamen Weiterbildungstage im Juni zur Zukunft des Lernens und der Gestaltung einer neuen Lernkultur. Im Fokus standen offene, personalisierte Lernsettings und die Entwicklungsorientierung als Leitidee. Die Ergebnisse dieser Tage, die als Grundlage für den Studienplan 22 und dessen Weiterentwicklung dienen, wurden bereits im Herbstsemester umgesetzt und werden 2025 bei der nächsten Weiterbildung weiterverfolgt.
Ein Schwerpunkt war auch in diesem Jahr die Implementierung des Studienplans 22. Während die Module für das dritte Studienjahr mit dem Schwerpunkt Berufseinführung noch in Planung sind, wurden die Module für das erste Studienjahr mit den pädagogisch-didaktischen Grundlagen bereits erprobt und aufgrund der Evaluationsergebnisse ein erstes Mal überarbeitet.
Neben dem Bachelorstudiengang engagieren sich Dozierende des Bereichs Erziehungswissenschaften (EW) verstärkt in weiteren Studiengängen. Im Master Schulische Heilpädagogik decken sie eine Vielzahl von Lehrveranstaltungen ab und erweitern so die Expertise in der Sonderpädagogik. Im Master Sekundarstufe I und Maturitätsschulen ist in den Erziehungswissenschaften der gesamte dreijährige Zyklus vollständig umgesetzt. Die Anerkennungskommission lobte im Oktober insbesondere das gelungene Zusammenspiel von Theorie und Praxis.
Ein Meilenstein war die Nutzung des neuen Standorts am Postplatz, dessen flexible Räumlichkeiten neue Lernsituationen ermöglichen und zunehmend dafür genutzt werden. Zudem wurde der zweite Durchgang des CAS Hochschuldidaktik erstmals vollständig von Dozierenden der Erziehungswissenschaften verantwortet.
Bereich
Sprachen
Schulsprachen
Die mit den Studienplänen 22 beschlossenen Neustrukturierungen der Schulsprachmodule wurden und werden fortlaufend umgesetzt. Die jeweiligen Module wurden zudem thematisch-inhaltlich zwischen den drei Schulsprachen abgestimmt, was den Studierenden der drei Schulsprachen eine einheitlichere fachdidaktische Orientierung bietet. Die Neustrukturierung der Schulsprachmodule betont, dass Lernen ein konstruktiver Prozess ist. Der Fokus der Änderungen lag daher auf einer deutlicheren Beachtung der relevanten Tiefenstrukturen von Unterricht (kognitive Aktivierung der Studierenden), Integration von konstruktiven Unterstützungsmassnahmen (z.B. Feedbackmethoden) und von sozialen Interaktionen. Umgesetzt wird dies innerhalb des Dozierenden-Teams in stetiger gemeinsamer Unterrichtsentwicklung.
Fremdsprachen
Ziel der Fremdsprachenmodule ist u.a. die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Die Studierenden sollen befähigt werden, auf der Zielstufe einen kommunikativen und handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht zu gestalten. Dieser soll den Ansprüchen an einen kompetenzorientierten Unterricht gerecht werden und sich dabei an den tatsächlichen Bedürfnissen und Forderungen der Praxis orientieren. Das Projekt QUATTRO bot die Möglichkeit, gemeinsam mit erfahrenen Primarlehrpersonen an dieser Zielsetzung zu arbeiten. Die involvierten Dozierenden konnten den Berufsfeldbezug stärken und die Lehrpersonen ein Bewusstsein für die fachdidaktischen und theoretischen Aspekte des Fremdsprachenunterrichts entwickeln. Profitiert davon haben alle Beteiligten, insbesondere die Studierenden, die dadurch besser vorbereitet ins Berufsleben starten können.
Bereich
MATHEMATIK/NMG
Der Bereich Mathematik/NMG beinhaltet mit der Mathematik auch die Informatik, und das Fach Natur Mensch Gesellschaft umfasst mehrere Perspektiven.
Die Module der Mathematikdidaktik zeichnen sich auch im Berichtsjahr durch hohe Zufriedenheitswerte in den Evaluationen aus. Von Anfang an wird an einem ko-konstruktivistischen Lernverständnis mit Erforschen und Argumentieren als wichtigen Bausteinen eines modernen Mathematikunterrichts gearbeitet. Das Teilprojekt Mathematik des Projekts MINTo the Mountains fokussierte genau diese Handlungsaspekte.
Die Module der Informatik bauen auf selbstorganisiertem Lernen und Interdisziplinarität auf. Die Studierenden erfahren konkret, wie informatische Konzepte in Sprache, Mathematik, NMG, Musik oder Sport erlebt werden können. Damit zeigen beide Module ein in die Zukunft gerichtetes Lernverständnis. Innovation entsteht auch in der Mitarbeit in Projekten im MINT-Bereich wie den i-Camps, der MINT-Woche, der First Lego League oder MINTo the Mountains.
Externe Studienwochen in NMG bieten für Studierende Gelegenheiten, an ausserschulischen Lernorten Verantwortung zu übernehmen. Dozierende können ihre spezifische Expertise einbringen und gleichzeitig in der gemeinsamen Durchführung perspektivenübergreifend arbeiten. In den Vertiefungsmodulen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung werden u.a. Menschenrechte und Migration, Ernährung und Biodiversität sowie Siedlung perspektiven- und fachübergreifend mit Dozierenden aus NMG, Musik und Bildnerischem Gestalten beleuchtet.
Bereich
GESTALTEN/
Mit dem Studienplan 22 kam es zu bedeutenden Neuerungen in der Lehre. Die Vertiefungsmodule der Bachelorstudiengänge «Quer durch Graubünden», «Musik aufführen» oder «Spiel- und Lernräume gestalten» wurden erstmals durchgeführt und stiessen alle auf positive Resonanz. Auch die neuen gemeinsamen Module für Textiles und Technisches sowie Bildnerisches Gestalten sind eine wegweisende Anpassung im Hinblick auf die spätere Berufspraxis. Die als Studienwochen gestalteten Module ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung und fördern das Verständnis für fachspezifische Methoden, künstlerische Denkprozesse und Verfahren der Gestaltung. Das Eingangsmodul «Musik erfassen» stärkt das Verständnis für die eigene Wirksamkeit der Studierenden im Hinblick auf deren Lehr- und Lernverständnis.
Erfolgreich gestartet ist der CAS Musik. Dieser gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, den eigenen Unterricht zu professionalisieren. Weiter erwerben sie Kompetenzen, um klassenübergreifende Projekte zu realisieren und damit zur Schulhauskultur beizutragen.
Für den Bereich Bewegung und Sport erweist sich der Masterstudiengang Sekundarstufe I als spannende fachdidaktische Herausforderung. Die Studierenden verfügen bereits über ein abgeschlossenes Sportstudium und steigen somit auf hohem fachlichem Niveau in die Ausbildung ein. Durch das Forschungsprojekt «Neurozentriertes Bewegungslernen» kann sich die PH Graubünden auf nationaler Ebene in ein bedeutendes Projekt des Bundesamts für Sport (BASPO) einbringen. Die Zusammenarbeit mit der PH Luzern ermöglicht dabei neue Blickwinkel auf das Fachgebiet.
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