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Der Leistungsauftrag
der PH Graubünden

Vierfache Verantwortung für die Schule der Zukunft.

Die Regierung des Kantons Graubünden erteilt der PH Graubünden alle vier Jahre einen Leistungsauftrag mit Globalbeitrag. Dieser Leistungsauftrag enthält die über vier Jahre hinweg konkret zu erfüllenden Mandate und Ziele. Basierend auf dem Leistungsauftrag gibt der Hochschulrat die Strategie der Hochschule vor, welche die kantonalen Vorgaben weiter konkretisiert und im Jahr 2024 Thema des Jahresberichts war.

Der Leistungsauftrag der PH Graubünden basiert auf dem kantonalen Auftrag, Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Lehrkräftebildung für die Volks- und Maturitätsschulen anzubieten, die Weiterbildung auf allen Stufen der Volks- und Maturitätsschulen zu fördern, angewandte Forschung und Entwicklung im Bereich der Volksschule zu betreiben und Dritten Dienstleistungen anzubieten.

Der Leistungsauftrag 2025–2028 enthält wesentliche Änderungen:

  • Die PH Graubünden führt zwei zusätzliche ordentliche Professuren. Die Professur für Italienisch und Italienischdidaktik und die Professur für Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik ersetzen per 1. Januar 2025 die befristete Sonderprofessur für integrierte Mehrsprachigkeit (IMD). 
  • Die PH Graubünden bietet den Master-Studiengang in Schulischer Heilpädagogik fortan jährlich und unabhängig von den Anmeldezahlen an. Die Regierung hat das entsprechende Pilotprojekt frühzeitig in den Regelbetrieb überführt.
  • Die PH Graubünden bietet den Bachelor-Studiengang Primarschule (1.–6. Klasse) Teilzeit fortan unabhängig von den Anmeldezahlen an. Die Regierung hat das Globalbudget erhöht, um die defizitäre Teilzeit-Variante des Studiengangs zu sichern.

Der neue Leistungsauftrag bildet damit ein Meilenstein in der über 20-jährigen Geschichte der PH Graubünden. Nachdem lange die Ausbildung von Lehrpersonen für den Kindergarten und die Primarschule im Zentrum stand, verfügt die PH Graubünden unterdessen über ein umfassendes Portfolio an Studiengängen und bildet so Lehrpersonen für alle Schulstufen aus: vom Kindergarten bis zu den Maturitätsschulen. Dazu kommen Studiengänge für Schulische Heilpädagogik und für Schulentwicklung. Mehrere dieser Studiengänge bietet die PH Graubünden in enger Kooperation mit anderen Hochschulen aus dem In- und Ausland an. Das Angebot umfasst Studiengänge in Deutsch, Italienisch und Romanisch.

Anhand der Vorgaben des Kantons Graubünden und des Hochschulrats sowie unter Berücksichtigung des konkreten Bedarfs entwickelt die Hochschulleitung im Rahmen von Masterplänen die dem Hochschultyp entsprechenden Merkmale der PH Graubünden und schärft damit ihr Profil.

Fokus

Die Forschung & Entwicklung an der PH Graubünden ist klar profiliert und konsequent auf die Bedürfnisse der Volksschule ausgerichtet. Mit Professuren in Erziehungswissenschaften, Mathematikdidaktik, Italienisch und Italienischdidaktik sowie Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik deckt die PH Graubünden zentrale fachliche und fachdidaktische Bereiche der Lehrerinnen- und Lehrerbildung ab. Jede Professur ist mit zwei Vollzeitstellen ausgestattet – einer Professur sowie einer wissenschaftlichen Mitarbeitenden III (Oberassistenz) – und bildet damit eine tragfähige Struktur für nachhaltige Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Das Prorektorat Forschung & Entwicklung weist eine hohe Drittmittelquote auf und erreicht damit den vom Hochschulrat definierten Finanzindikator. Aktuell werden drei Projekte des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bearbeitet, ergänzt durch zahlreiche weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Im Berichtsjahr liefen insgesamt 15 Forschungsprojekte (exklusive Lehrmittelentwicklung). Die nationale und internationale Ausrichtung zeigt sich in der Beteiligung an Projekten, in Publikationen, Konferenzen und Tagungen mit internationaler Ausstrahlung sowie in der Mobilität der Mitarbeitenden. Dienstleistungen werden im Auftrag kantonaler und ausserkantonaler Auftraggeberinnen und Auftraggeber erbracht.

Kennzeichnend für die PH Graubünden ist das systematische Zusammenspiel von Wissenschaftsorientierung und Praxisnähe. Forschung und Lehre, Theorie und Berufsfeldbezug sind eng miteinander verzahnt. In allen Leistungsbereichen arbeiten Forschende und Fachpersonen aus dem Berufsfeld zusammen – etwa in Forschungsprojekten, in der berufspraktischen Ausbildung oder bei der Entwicklung von Lehrmitteln. Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte und zugleich praxistaugliche Weiterentwicklung von Schule und Unterricht.

In einem zunehmend kompetitiven inner- und interkantonalen Hochschulumfeld ist diese klare Profilierung von zentraler Bedeutung. Sie stärkt nicht nur die Positionierung der PH Graubünden, sondern verbessert auch die Ausgangslage in künftigen Akkreditierungs- und Anerkennungsverfahren. Forschung und Entwicklung werden deshalb gezielt weiter ausgebaut.

Nach einer intensiven konzeptionellen Phase plant die PH Graubünden, Anfang 2026 beim Kanton Graubünden eine Sonderprofessur mit dem Schwerpunkt Bildung und Vielfalt zu beantragen. Diese soll die bestehende Professur Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Pädagogische Psychologie ergänzen und insbesondere Fragen des individualisierten Lernens, der schulischen Heilpädagogik sowie des Lernens mit digitalen Medien adressieren. Damit reagiert die PH Graubünden auf aktuelle gesellschaftliche und schulische Entwicklungen und stärkt ihre Forschung im Dienst einer vielfältigen Volksschule.

Fokus

Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen leisten einen zentralen Beitrag zur Qualität und Chancengerechtigkeit der Volksschule. Sie begleiten Kinder und Jugendliche mit besonderen Bildungsbedürfnissen, unterstützen Lehrpersonen im Umgang mit Heterogenität und tragen wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung von integrativen Schulmodellen bei. Angesichts steigender Anforderungen an Schule und Unterricht sowie eines anhaltenden Fachkräftemangels kommt ihrer Ausbildung eine hohe bildungspolitische Bedeutung zu.

Vor diesem Hintergrund dokumentiert ein 2024 verfasster Bericht die Umsetzung und Evaluation des Pilotprojekts Flexibilisiertes Studienangebot Schulische Heilpädagogik (SHP) am dezentralen Studienort Chur im Zeitraum von September 2022 bis Juli 2024. Das Studienangebot wird in Kooperation zwischen der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich und der PH Graubünden durchgeführt und basiert auf einem Regierungsbeschluss des Kantons Graubünden vom 5. Juli 2022. Ziel des Pilotprojekts war es, dem Fachkräftemangel in der Schulischen Heilpädagogik mit einem regional verankerten, flexiblen und perspektivisch verstetigten Studienangebot zu begegnen.

Mit dem Start des Pilotprojekts wurden zentrale strukturelle Neuerungen umgesetzt: ein jährlicher Studienbeginn, die Aufhebung der Begrenzung der Studienplätze sowie eine inhaltliche, zeitliche und örtliche Flexibilisierung des Studiums. Diese Massnahmen führten zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl von Studierenden aus dem Kanton Graubünden. Im Studienjahr 2024/25 absolvierten insgesamt 87 Studierende aus Graubünden den Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik. Gleichzeitig ist seit Einführung des flexibilisierten Angebots ein markanter Rückgang der Studienabbrüche zu verzeichnen, was auf eine verbesserte Vereinbarkeit von Studium, Beruf und privaten Verpflichtungen hindeutet.

Die Evaluation des Studienangebots, basierend auf einer Online-Befragung von Studierenden mit Studienbeginn 2022 und 2023, zeigte eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem Studium am Standort Chur. Besonders geschätzt wurden die regionale Nähe, die Flexibilität des Studienmodells, die Praxisnähe der Inhalte sowie die Arbeit in kleineren Lerngruppen. Die Ergebnisse verdeutlichten zudem, dass ein Grossteil der Studierenden das Studium ohne das regionale Angebot nicht aufgenommen hätte. Damit kommt dem dezentralen Studienort eine zentrale Bedeutung für die Sicherstellung qualifizierter schulischer Heilpädagoginnen und Heilpädagogen im Praxisfeld zu.

Auch die enge Zusammenarbeit der beiden Hochschulen erweist sich als gewinnbringend. Dozierende der PH Graubünden übernehmen bis zu 50% der Lehrleistungen, was zu einer nachhaltigen Kompetenzerweiterung im sonderpädagogischen Bereich beiträgt und wiederum in die Module der Bachelorstudiengänge einfliesst. Herausforderungen zeigen sich insbesondere im Bereich der Infrastruktur, bedingt durch die steigenden Modulbelegungen.

Insgesamt fällt die Bilanz des Pilotprojekts sehr positiv aus. Das Studienangebot stärkt die regionale Fachkräfteentwicklung, verbessert die Planungssicherheit für Schulen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Professionalisierung im sonderpädagogischen Feld. Aus kantonaler Perspektive ist der Masterstudiengang von zentraler Bedeutung zur Deckung des Bedarfs an heilpädagogischen Fachpersonen. Vor diesem Hintergrund wurde die Überführung des Pilotprojekts in den regulären Leistungsauftrag der PH Graubünden ab Herbstsemester 2025 als folgerichtig und notwendig beurteilt.

Fokus

Mit dem Start des Studiengangs Primarschule (1. bis 6. Klasse) Teilzeit im Sommer 2022 hat die Pädagogische Hochschule Graubünden einen wichtigen Schritt in Richtung einer zeitgemässen, flexiblen Lehrpersonenbildung gemacht. Das Pilotprojekt hat aus Studium und Praxis grossen Zuspruch erhalten, war aber für die Hochschule aufgrund der schwankenden Studierendenzahlen eine finanzielle Herausforderung. Die Regierung hat nun den Bedarf erkannt und den Teilzeitstudiengang verstetigt.

Der Teilzeitstudiengang ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Ausbildung heute gestaltet sein muss, um gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden. Flexible Studienmodelle eröffnen neue Zugänge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung – insbesondere für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, für Personen mit Familienverantwortung oder für Studierende, die parallel zum Studium erwerbstätig sind. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung des Lehrpersonenmangels, ohne Abstriche bei der Qualität der Ausbildung zu machen.

Was den Teilzeitstudiengang besonders auszeichnet, ist die Zusammensetzung der Studierendenschaft. Teilzeitstudierende bringen vielfältige Lebens- und Berufserfahrungen mit, verfügen häufig über einen geschärften Berufswunsch und eine hohe Motivation für den Lehrberuf. Diese Persönlichkeiten bereichern den Austausch in gemischten Lerngruppen ebenso wie die Zusammenarbeit mit den Dozierenden. Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Biografien fördern einen lebendigen Diskurs und stärken den Praxisbezug im Studium.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine «Schnellbleiche». Der Teilzeitstudiengang ist ein vollwertiger Studiengang mit denselben inhaltlichen und qualitativen Anforderungen wie das Vollzeitstudium. Die Präsenzzeit ist auf drei Tage pro Woche konzentriert, der Studienverlauf auf vier Jahre ausgelegt. Diese Struktur ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie, ohne den Anspruch an Professionalität und Tiefe der Ausbildung zu reduzieren.

Gesellschaftliche Tendenzen wie veränderte Erwerbsbiografien, lebenslanges Lernen oder der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance machen deutlich, dass Flexibilität in der Hochschulbildung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Mit Blick auf die neuen Studiengänge ab 2029 bietet sich die Chance, den Bedarf an Flexibilisierung noch gezielter und breiter zu gestalten – nicht nur im Teilzeitstudium, sondern als integraler Bestandteil der gesamten Lehrpersonenbildung.

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