Prorektorat
Forschung und Entwicklung
Im Prorektorat Forschung und Entwicklung entstehen zusehends bedeutsame Beiträge im Kontext von Lehrpersonenausbildung, Schule und Unterricht.
Das Jahr 2025 eröffnete dem Prorektorat Forschung und Entwicklung mehrere Wege, die Lehrpersonenausbildung sowie das Schul- und Unterrichtswesen erkenntnisbasiert zu unterstützen. In besonderer Weise bedeutsam erwiesen sich die Ergebnisse aus der Tagung Mehrsprachigkeit und sprachliche Minderheiten in einem globalen Kontext, da in diesem Rahmen sprach- und gesellschaftskulturelle Fragen rund um Vielfalt in Schule, Unterricht und Lernen sichtbar und gemeinsam mit national und international renommierten Wissenschaftler:innen diskursiv verhandelt wurden. Ebenfalls mit sprachspezifischem Schwerpunkt wurden lehrmittelbezogene sowie sprachkompetenzorientierte Forschungsaktivitäten weiter in nationalen Diskursen verankert und gleichzeitig an international relevante Institutionen der Sprachkompetenzmessung herangeführt. Auch im Bereich der Mathematikdidaktik erwies sich die im vergangenen Jahr vorgenommene Eingliederung der laufenden MINT-Projekte in die Professur Mathematikdidaktik als gewinnbringender Schritt. Es ermöglichte, Grundlagen dafür zu schaffen, forschungsbasiertes Wissen aufbauen und für die wissenschaftsgestützte Unterrichtsgestaltung zur Verfügung stellen zu können. Ähnlich gelagert waren die Aktivitäten im Bereich der Erziehungswissenschaften. Hier entstanden einerseits profilierte Beiträge mit Grundlagencharakter in renommierten internationalen Zeitschriften. Andererseits konnten Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, die aus Projekten mit besonderer Praxisnähe hervorgingen. Und nicht zuletzt wurden im Prorektorat hervorgebrachte Forschungsergebnisse auch der Bildungspolitik zur Verfügung gestellt, beispielsweise der Erziehungsdirektion des Kantons Tessin, welche nun, auf der Basis der vorgelegten Erkenntnisse, über eine Reform ihres Bildungssystems der Sekundarstufe I befinden wird.
Diese hier genannten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten verdeutlichen beispielhaft, dass sich das Prorektorat mit zunehmender nationaler und internationaler Aufmerksamkeit an der wissenschaftsbasierten Lehrpersonenausbildung beteiligt. Verankert ist diese produktive Entwicklungsdynamik in der profilierten Expertise von zahlreichen Wissenschaftler:innen, die an der PH Graubünden tätig sind. Sie stehen zu grossen Anteilen am Ausgangspunkt aller hier und auch an anderen Stellen erwähnten wissenschaftlichen Aktivitäten. Besonders haben sie dazu beigetragen, dass die an der PH Graubünden vorangebrachten Forschungsarbeiten zusehends und substanziell von renommierten Drittmittelgebenden unterstützt werden. Damit leistet die Hochschule wichtige und anerkannte Beiträge zur Evidenzbasierung der Lehrpersonenausbildung bzw. zur Entwicklung von Schule und Unterricht insgesamt.
Professur
Erziehungswissenschaften
Im Berichtsjahr lag der Schwerpunkt der Professur Erziehungswissenschaften auf der Weiterführung laufender Forschungsprojekte, der Erweiterung des Teams und der Stärkung nationaler und internationaler Kooperationen.
Im Rahmen des SNF-Projekts «Flex4Kids» (Co-Leitung: Sog Yee Mok & Christian Rüede) wurden erste Datenerhebungen und Weiterbildungen an über 50 Schulen erfolgreich umgesetzt. Ziel des Projekts ist es, das mathematische Verständnis von Kindern in 3. Primarschulklassen in Klassengesprächen zu fördern. Im Flex4Kids-Projekt konnten wir Dimitra Kolovou als Postdoktorandin gewinnen. Sie bringt grosse Erfahrung im Management und in der Auswertung von PISA- und ÜGK-Daten mit (ÜGK: Überprüfung der Grundkompetenzen). Wir freuen uns, sie seit Oktober 2025 bei uns im Team zu haben.
Darüber hinaus wurden Forschungskooperationen verstärkt. Gemeinsam mit Forschenden aus der Universität Zürich, der PH Zürich und der PH FHNW wurde zudem eine neue Studie zu Überzeugungen und Wissen («BeWiss»-Studie; Leitung Francesca Suter) von PH-Dozierenden über Lehren und Lernen konzipiert und durchgeführt. Erste Ergebnisse sind im Jahr 2026 zu erwarten. Zusätzlich präsentierte die Professur erste Resultate einer Metaanalyse zur Wirksamkeit digitaler Tools auf das selbstregulierte Lernen und die Leistung. Seit November 2025 dürfen wir Janina Täschner von der Technischen Universität München als Gastwissenschaftlerin begrüssen. Durch diese Aktivitäten wurde die nationale und internationale Vernetzung der Professur weiter gestärkt.
Professur
Mathematikdidaktik
Der Aufbau der Professur für Mathematikdidaktik an der PH Graubünden ist im zweiten Jahr nach der Berufung gut vorangeschritten. Der Forschungsschwerpunkt zum Lehren und Lernen mit digitalen Mathematikwerkzeugen an ausserschulischen MINT-Lernorten konnte verfolgt werden und trägt zur Profilbildung der Professur bei. Das schliesst auch die didaktisch orientierte Rekonstruktion von MINT-Inhalten zur Entwicklung von unterrichtsnahen digitalen Lernumgebungen ein.
Insbesondere Fragen zur Entwicklung des «Computational Thinking» in Verbindung mit motivationalen Faktoren seitens der Lernenden, die an Enrichment-Angeboten teilnehmen, standen im Fokus. Über diese Arbeiten wurde auf zwei internationalen Tagungen (u.a. der «14th International Group for Mathematical Creativity and Giftedness Conference» in Karlstad, Schweden) berichtet und es entstanden peer-review-geprüfte Tagungspublikationen.
In diesem Zusammenhang sind speziell die Lernarrangements im Rahmen von ausserschulischen MINT-Lernorten wie z.B. den «i-CAMPs» der PH Graubünden interessant. Dabei müssen die didaktischen Konzeptionen der Lernarrangements einer empirischen Prüfung standhalten. Eine Begleitstudie zu den «i-CAMPs» konnte im Jahr 2025 begonnen werden. Das Projekt wird durch die wissenschaftliche Mitarbeiterin Parvaneh Babari geleitet und durchgeführt.
Professur
RÄTOROMANISCH UND RÄTOROMANISCHDIDAKTIK
Die romanische Professur, die seit ihrer Verstetigung im Jahr 2025 den Namen Professur für Rätoromanisch und Rätoromanischdidaktik trägt, widmete sich im Berichtsjahr der Fortführung bzw. dem Abschluss laufender Entwicklungsprojekte. Im Rahmen der rätoromanischen Lehrmittelreihe Mediomatix erfolgte die Publikation der Lehrmittel im Idiom Surmiran für die 5. Klasse. Zusätzlich wurden Neuauflagen in anderen Idiomen editiert und digitale Übungen online verfügbar gemacht. Darüber hinaus wurde die Weiterentwicklung der Lehrmittelreihe Avraportas zum Erlernen des Rätoromanischen als Zweit- bzw. Fremdsprache intensiv vorangetrieben. An der Forschungsfront hat die Professur an der Einreichung des SNF-Projekts Atlas dal Grischun rumantsch – Zugänge zur Sprachvariation im rätoromanischen Gebiet Graubündens (Gesuchsteller: Matthias Grünert) mitgearbeitet. Das hochdotierte Projekt wurde im September vom SNF bewilligt. Ferner hat die Professur an mehreren wissenschaftlichen Tagungen im In- und Ausland mit eigenen Beiträgen teilgenommen sowie einschlägige Fachartikel publiziert. Durch diese Tätigkeiten profiliert sich die Professur zusehends an der Schnittstelle zwischen allgemeiner Didaktik, fachdidaktischer Forschung und angewandter rätoromanischer Sozio- und Bildungslinguistik.
Professur
ITALIENISCH UND ITALIENISCHDIDAKTIK
Die Professur für Italienisch und Italienischdidaktik blickt auf ein ereignisvolles Jahr zurück. Im Mai 2025 hat in Davos die internationale Tagung «Mehrsprachigkeit und sprachliche Minderheiten in einem globalen Kontext» stattgefunden, die von der Professur Italienisch organisiert wurde. Das Projekt QUATTRO, das sich mit dem doppelten Kompetenzprofil befasste, konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Dozierende, Lehrpersonen, Forschende und Studierende haben an der Verknüpfung von Praxis und Theorie gearbeitet. Zum Thema des doppelten Kompetenzprofils ist im Herbst 2025 ein Sammelband erschienen, der von der Professur kuratiert wurde. Im August sind drei neue Forschungsprojekte gestartet. Für das vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Projekt «Modelli mentali dell’italiano L2 nella scuola elementare» konnten zwei Doktorandinnen gewonnen werden. Das zweite Projekt mit dem Titel «Il trattamento dell’errore», das vom Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeit in Fribourg mitfinanziert wird, befasst sich mit der Handhabung von Sprachfehlern seitens von Lehrpersonen im Fremdsprachenunterricht. Im dritten Projekt, das vom Bundesamt für Kultur getragen wird und den Titel «Esperire il territorio e la lingua straniera» trägt, geht es darum, Materialien und Fortbildungsformate für einen bilingualen Sachfachunterricht im Raum San Bernardino zu ermöglichen. Dabei werden die Fächer Natur, Mensch und Gesellschaft und die Sprachen Italienisch und Deutsch miteinander verknüpft.
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